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Momentan arbeite ich an einem historischen Roman in dem man, an der Seite von Amalía und Eléni, in die Welt des antiken Griechenlands eintaucht. Auf den Spuren von Frauen, die es nicht immer leicht haben und einer Möwe, die ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag legt.

Weiters schreibe ich an einem Kurzgeschichtenband, in dem meine Blumen-Fotografien Geschichten erzählen. Sei es über einen mittellosen Maler, einen Schatten namens Óscar oder einen alten Mann, der seinen letzten Tag erlebt.

Von phantastisch bis historisch wird dieser Band viele Genres in sich vereinigen, gespickt mit Fotografien, die zum Träumen anregen.

Es war August. Die Sonne schien kräftig auf die Wiesen und Felder herab. Blumen reckten ihre Köpfe den warmen Lichtstrahlen entgegen. Blätter raschelten unter der leichten Brise, die den Geruch von Salz in sich trug. Die junge Frau lag ausgestreckt im Sonnenblumenfeld ihrer Familie.
Sie liebte die Einfachheit des Sommers. An manchen Tagen glaubte sie nur zu existieren, um den Sonnenblumen zuzusehen. Die schweren Köpfe bewegten sich mit dem Wind, die Sonnenstrahlen leuchteten auf die goldgelben Blütenblätter und ließen sie transparent werden. Die junge Frau wusste, dass die Pflanzen bei jeder Bewegung, bei jeder Reibung eines Blattes auf dem anderen, unzählige kleine, weiße Haare verloren. Sie fühlte sie auf ihrer Haut. Sie wusste, solange sie still dalag, würden die Härchen sie als eine der ihren akzeptieren. Sich an sie schmiegen, bedecken, wie die Stiele der Riesen über ihr. Sie atmete tief ein. Es roch nach trockener Erde, jungen Pflanzen und Gras.
Ein ungewohntes Geräusch ließ sie aufhorchen. Es war ein harter, metallischer Klang. Ein Klang der sie an den Herbst erinnerte, Erntezeit. Nur ihren Kopf bewegend, sah sie sich um. Wieder durchschnitt das unangenehme Geräusch die sommerliche Idylle. Selten hatte sich etwas so fehl am Platz angehört. Sie legte sich auf den Bauch. Sofort konnte sie fühlen, wie die Sonnenblumenhärchen sie enttarnt hatten. Sie kitzelten sie im Gesicht und in den Armbeugen, krochen ihr den Hals hinunter und suchten die warmen Falten ihrer Brüste. Nur nicht beachten. Am Ende des Feldes konnte sie zwei Herrenschuhe erkennen. Wieder das metallische Schnappen, eine ihrer Sonnenblumen fiel zu Boden. Mit einem Ruck stand sie auf und näherte sich den Schuhen. Als sie aus dem Feld heraustrat, sah ihr ein Mann mit wilden, roten Haaren und einer Schere in der Hand, erschrocken entgegen. Neben ihm lagen die Blumen, fein säuberlich nebeneinander gelegt, auf der Wiese. Sie kannte den Mann. Ein erfolgloser Maler, der vor kurzem aus Paris zu ihnen kam. Sie sah ihm in die erschrockenen Augen und vorsichtig nahm sie ihm die Schere ab.
„Bitte tun Sie das nicht. Das sind die Sonnenblumen meiner Familie. Wir brauchen sie.“
Die feinen Härchen der Blumen hatten sich nun vollkommen gegen sie gewandt und die gebräunte Haut erstrahlte unter juckenden, roten Stellen. Sie fing an sich vorsichtig zu kratzen. Der Mann starrte sie immer noch an.
„Wofür wollen Sie die Blumen?“
Er setzte zur Antwort an, hüstelte, räusperte sich.

„Zum Malen! Zum Malen, wofür den sonst?!“ Fahrig warf er die Arme über den Kopf, seine Augen, gerade noch auf sie gerichtet, wussten nun nicht mehr wo sich festhalten und hüpften in den Höhlen auf und ab. „Verzeihen Sie bitte. Das ist natürlich eine Unart, sich zu nehmen, was einem nicht gehört. Als Wiedergutmachung werde ich Ihrer Familie das entstandenen Werk schenken!“ Er fing an, die aufgebahrten Blumen einzusammeln.
„Maman gefallen Ihre Bilder nicht.“
Er hielt inne. Sein verzweifelter Blick streifte die junge Frau und verlor sich dann im Gebüsch hinter ihr.
„Ich...also...ich kann nicht zahlen.“, sie sah, wie die hellen Augen des Mannes glasig wurden. Es tat der jungen Frau leid, den Maler so zu sehen. Hätte sie doch nichts gesagt. Er warf die aufgehobenen Sonnenblumen wieder zu den anderen zurück, griff sich seinen Strohhut, nickte ihr zu, und eilte dann auf der Landstraße davon. Mitfühlend sah sie dem Mann nach und rang sich zu einem Entschluss durch. Schnell sammelte sie die Sonnenblumen ein und lief, so schnell sie ihre nackten Füße trugen, dem Maler hinterher.
„Monsieur! Monsieur van Gogh!“ Der rotbärtige Mann sah sich zu ihr um. „Warten Sie doch!“
Langsam blieb er stehen, sie konnte sehen wie er sich mit dem Ärmel über das Gesicht fuhr. „Nehmen Sie die Sonnenblumen“, sie streckte ihm den Strauß entgegen.
„Mademoiselle, ich kann Ihnen nichts dafür geben...“, er sah zu Boden, seine milchweiße Haut färbte sich zu einem dunklem Rot.
„Nehmen Sie es als Geschenk Monsieur. Von mir für Sie. Ich werde meinen Eltern nichts davon sagen.“ Als er aufsah, blitzten seine Augen vor Dankbarkeit. „Ich würde das fertige Bild dann aber gerne sehen. Wenn Sie es erlauben.“ Ein kurzes Lächeln überflog das strenge Gesicht des Malers.
„Aber natürlich. Nichts lieber als das, Mademoiselle! Wollen wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen? Es wäre schön, der Eintönigkeit der Einsamkeit, für kurze Zeit zu entfliehen.“, er sah sie, bittend lächelnd, an.
„Es tut mir Leid Monsieur, aber ich muss schleunigst in den Bach, um die lästigen Härchen der Sonnenblumen von meinem Körper zu waschen. Ich bin mir aber sicher, dass sich bald Gelegenheit für einen gemeinsamen Spaziergang findet.“ Er betrachtete die roten Stellen auf ihrer Haut.
„Erst heute habe ich gesehen, dass Sonnenblumen Haare wachsen, und bereits jetzt berauben sie mich so angenehmer Gesellschaft. Auf meinem Bild werden diese Übeltäter gewiss keinen Platz finden.“ Mit einem traurigen Lächeln wandte er sich ab und beschritt erneut die Landstraße.
„Adieu, Monsieur! Auf bald!“, rief ihm die junge Frau nach. Doch der Maler ging stur gerade aus und sah sich nicht mehr nach ihr um.